Freitag, 17. Juni 2011

Der ePerso - Wohl ein Flop

Der neu eingeführte "Elektronische Personalausweis" kommt mit einigen innovativen Features. Einem Speicher für biometrische Daten (Fingerabdruck in elektronischer Form) als auch einer Onlinefunktion ("eID") zur sicheren Identifizierung des Besitzers im Netz. Beide genannten Features sind "freiwillig", d.h. sie werden nur dann im Ausweis freigeschaltet, wenn der Besitzer dem auch zustimmt. Zusätzliche Kosten entstehen durch die Freischaltung übrigens nicht.

Als ich letztens auf dem örtlichen Einwohnermeldeamt unserer Landeshauptstadt war, konnte ich der Angestellten, die für die Ausstellung der neuen Personalausweise zuständig ist, einige Fragen zum neuen ePerso stellen.

Die Ergebnisse sind ernüchternd:
- 90% der neuen Ausweisbesitzer lassen die Onlinefunktion NICHT freischalten
- 50% der Ausweisbesitzer lassen ihre Fingerabdrücke digital auf dem Ausweis speichern

Seltsam, dass die Abgabe und Speicherung der Fingerabdrücke von den Leuten weit stärker akzeptiert wird, als die Möglichkeit zur pseudonymen Identifikation im Internet.

An sich finde ich die Idee mit der "Onlinefunktion" sinnvoll und notwendig. Leider war auch diesmal die Umsetzung wieder mehr als mangelhaft.

Es gab ja schon einmal einen Versuch in der Richtung: Die Elektronische Signatur. Das war 2001. Damals wurde fataler Weise der Aufbau der gesamten Infrastruktur "dem freien Markt" überlassen. Ein grober Fehler und ein gutes Beispiel dafür, dass der Markt eben nicht alles regelt. Die Signaturkarten waren damals unverschämt teuer und es wurden von den Unternehmen zudem ihre eigenen proprietären Systeme forciert angeboten (z.B. Deutsche Bank mit "Websign"). Das ganze Vorhaben wurde ein klassischer Rohrkrepierer.

Immerhin stellt der Staat jetzt bei seinem neuen Vorstoß wenigstens einen Teil der Infrastruktur: Teile der Datenhaltung und die Kartenausgabe. "Der Markt" soll diesmal noch für die Kartenleser und die Anbindungssoftware sorgen, die die Karten im Netz (Onlineshops etc.) erst einsetzbar machen. Auch die Signaturfunktion (nicht zu verwechseln mit eID) soll wieder über "freie" Anbieter laufen.

Alles in allem kann man das ganze Projekt wohl leider wieder mal vergessen. Ich bedauere sehr, dass sich unser Staat nicht einfach für die Karte, die Signaturfunktion und eine Mindestausstattung an Anbindungssoftware verantwortlich zeichnen kann.

So wie das jetzt geplant ist, wird das wieder mal nix. Und auf ein zuverlässiges, allg. verbreitetes Identifikationsmittel für das Internet müssen wir wohl noch ein weiteres Jahrzehnt warten.

Am Beispiel ePerso kann man jedenfalls wieder mal gut erkennen, ob das Gemeinwohl oder (vermeintliche) Profitmöglichkeiten für "die private Wirtschaft" im Zentrum der Politik stehen.

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