Freitag, 22. August 2008

Test & Review Motherboard Intel D201GLY2

Hier der Test eines Systems für einen Developmentserver, welcher vor allem leise und sparsam sein sollte. Auf der Suche nach einem Motherboard bin ich auf das eigentlich für den Markt der "dritten Welt" konzipierte D201GLY2-Motherboard mit Celeron 220-CPU von Intel gestoßen. Einige Online-Reviews verhießen eine gute Eignung für mein Vorhaben: Also wurde das Board gekauft. Nach einer ersten Inspektion traten allerdings einige (in den ach so tollen professionellen Reviews nicht genannte) nachteilige Eigentümlichkeiten des Systems zu Tage:
  • Ein gescheites Power-/Temperaturmanagement ist dem System fremd. Das führt dazu, dass das System keinen Überhitzungsschutz besitzt und sich bei Überhitzung einfach ausschaltet. Beim nächsten Systemstart bringt es dann eine entsprechende Mitteilung während des Bootprozesses, welche mit einem Tastendruck bestätigt werden muss - besonders bei einem Server ohne angeschlossene Tastatur ist das sehr unglücklich
  • Die "Intel Desktop Utilities" funktionieren zwar mit dem Board, jedoch werden ausgerechnet die Temperaturen der CPU und des Chipsatzes nicht angezeigt
  • Zum verbauten SIS-Chipsatz müssen "manuell" die aktuellsten Treiber von der Chipsatzherstellerseite besorgt werden
Der CPU-Kühler und besonders der sehr kleine Kühler des Chipsatzes werden im Betrieb sehr heiß. Ohne einen - wenn auch geringen - Luftstrom über die Kühler überhitzt das System unter Volllast sehr schnell und schaltet sich, wie oben bereits beschrieben, im laufenden Betrieb einfach ab. Nach dem Einbau ist also unbedingt die Belastbarkeit des Gesamtsystems zu testen (Testwerkzeuge siehe unter "Sonstiges").

Das passiv gekühlte Board in Verbindung mit einem besonders effizienten und ruhigem Netzteil (als einziger Ventilationsquelle) in einem flüsterleisen Energiesparsystem zu nutzen ist sicher der Wunsch vieler Käufer. Allerdings ist gerade diese Konfiguration recht kritisch. In dem von mir zusammengestellten System ist eine ausreichende Kühlung des Prozessors nur in Verbindung mit einem zusätzlichem Gehäuselüfter gewährleistet. Dieser 12 cm-Lüfter ist allerdings sehr langsam drehend (1000 U/min) und konnte zudem noch ziemlich CPU-entfernt verbaut werden.(Siehe aber auch Nachtrag!)

Bei dem von mir mittlerweile genutzten System (irgendein Gehäuse, WD-GreenPower-HD + 2 weitere HDs, Seasonic S12II-330-Netzteil) steigt die CPU-Temperatur unter Dauervolllast auf maximal 80°C (bei 30°C Außentemperatur). Der Energieverbrauch des Gesamtsystems liegt im Leerlauf bei etwa 50 W, bei Auslastung steigt dieser nochmal um etwa 10 W.

Fazit

Das Board ermöglichte mir den Aufbau eines leisen und ausreichend leistungsfähiges Systems. Die außergewöhnlich konzipierte Kühlung des Boards bedurfte allerdings einiger Aufmerksamkeit.
Die Positionierung des Produktes im hiesigem Markt erscheint wie ein Schnellschuss von Intel. Bis zur massenhaften Verfügbarkeit eigener LV-Atom-CPUs und entsprechender Chipsätze konnte der plötzlich entdeckte Bedarf nach kleinen und energieeffizienten Systemen von Intel wohl nur mit dieser "Krücke" aus dem schwächsten der modernen Prozessoren und einem relativ sparsamen Chipsatz eines Fremdherstellers(!) befriedigt werden. Die Umsetzung dieses Konzeptes wirkt für Intel-Verhältnisse etwas unausgereift. Allerdings darf man bei all den Betrachtungen auch nie den wirklich sehr günstigen Preis aus den Augen verlieren.

Sonstiges

Auf dem Board können wahrscheinlich mehr als die im Handbuch angegebenen 1GB Ram verbaut werden. Mehrere Nutzer berichten vom erfolgreichem Einsatz von 2GB-Speicher. Das Boardbios selbst gibt vor bis zu 3 GB verwalten zu können.

Mit dem BIOS-Update 0129 ist eine rudimentäre temperaturabhängige Lüftersteuerung verfügbar.

Informationen zum verbauten SIS-Chipsatz (zum Download der Treiber vom Hersteller):
  • SATA-Controller: SIS 964
  • LAN-Controller: SL 119
  • GPU (IGP): SIS 662
  • IDE-Controller: SIS 5513 ("SIS-IDE")
Empfohlene Software zum Testen des Systems:
  • Core Temp (Arthur Liberman) - zum Auslesen der CPU-Temperatur
  • RightMark CPU Clock Utility (rightmark.org) - dient ebenfalls der Überwachung der CPU-Temperatur und bietet gleichzeitig Einstellmöglichkeiten zur Taktverminderung. Unter den kostenpflichtigen Features finden sich auch eventbasierte Aktionen. So kann auch softwareseitig ein wirkungsvoller Überhitzungsschutz realisiert werden.
  • CPUBurn (Robert Redelmeier) - erzeugt eine 100%ige Prozessorauslastung für die Überhitzungstests
Zum thermischen Aufbau eines Systems mit diesem Board gibt es von Intel übrigens auch genaue Leitlinien. Die max. Sperrschichttemperatur des verbauten Prozessors liegt demnach bei 100°C. Die "Abschalttemperatur" des Boards liegt allerdings schon bei 91°C.

Weitere Informationen zum Board finden sich auch im Intel-Resellerbereich.

Intel betreibt auch ein Informationsseite zu den Spezifikationen aller Intel-CPUs - allerdings ist der im System verbaute Celeron 220-Prozessor in dieser Auflistung (noch?) nicht zu finden.

Update (22.10.2008)

Mittlerweile wurde von mir ein weiterer langsam drehender Lüfter innerhalb des Gehäuses verbaut, welcher (ohne von außen Luft anzusaugen) einfach gegen den Kühlkörper des Prozessors bläst. Dadurch wurde die CPU-Temperatur auf unter 50°C im Vollastbetrieb gesenkt.

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